Gefahren bei dem Umgang mit dem Airbag

Airbags sind bei bestimmten Voraussetzungen sich entfaltenden Luftsäcke bei Unfällen mit Personenkraftwagen und Lastkraftwagen. In diesen Luftsäcken sollen die Fahrzeuginsassen bei bestimmten Unfällen hinein tauchen und dadurch relativ stark abgebremst werden, um die Gefahr schwererer Verletzungen zu reduzieren. Airbags sollen nicht bei Bagatelleunfällen auslösen, sondern lediglich bei schweren Unfällen.

Eine von außen sichtbare einheitliche Kennzeichnung von Airbag-Fahrzeugen erfolgt zur Zeit noch nicht. Auf den Abdeckungen der einzelnen Airbags können die Bezeichnungen:

  • „RS“
  • „SRS“
  • „AIRBAG“

eingeprägt sein. Eine dieser Bezeichnungen muss jedoch vorhanden sein. Meist erscheint jedoch der Schriftzug „AIRBAG“ in Kombination mit den Kürzeln „RS“ oder „SRS“. „RS“ steht für: Rückhaltesystem „SRS“ steht für: Sicherheitsrückhaltesystem.

 

Seit 1997 müssen Kfz. mit Beifahrerairbag mit einem roten Warnaufkleber auf der Armaturentafel gekennzeichnet sein, der das Montieren eines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz vor dem Beifahrerairbag verbietet.

Einzelne Fahrzeughersteller versehen ihre Fahrzeuge auch im Bereich der Einstiegsleiste (A- oder B-Säule) mit einem Piktogramm, dass einen symbolisierten Menschen und einen aufgeblasenen Airbag zeigt. Dieses Piktogramm kann auch an der Windschutzscheibe oder der Armaturentafel erscheinen.

Ein weiterer Hinweis auf einen vorhandenen Airbag im Fahrzeug kann bei eingeschalteter Zündung die Kontroll-Leuchte „Airbag“ in der Armaturentafel sein.

Ein Airbag-System im Kfz. besteht im wesentlichen aus 3 Hauptkomponenten:

(1.) Sensorik

  • Sensoren
  • Auslösegerät
  • Safty Senso

Die Sensorik des Airbagsystems hat zunächst die Aufgabe, einen tatsächlich geschehenden Unfall sicher festzustellen, um dann die Entfaltung des Luftsackes (Airbag) auszulösen. Für die Auslösung der Front-Airbags (Fahrer- und Beifahrer) sind im Fahrzeug verteilt Sensoren so eingebaut, daß sie eine Frontkollision mit einer maximalen Winkelabweichung bis 30 Grad nach rechts oder links zur Fahrtrichtung erkennen.

Bei anderen Unfallarten, z. B. Überschlag, Seiten- oder Heckaufprall, lösen die Sensoren die Frontairbags nicht aus! Bei Fahrzeugen mit Seitenairbags arbeiten deren Sensoren entsprechend. Das Auslöse- bzw. Steuergerät ist ein im Bereich des Getriebetunnels, der Mittelkonsole oder der Lenksäule platzierter Steuerblock, in dem alle elektronischen Steuervorgänge, einschließlich der Sicherheitsschaltungen, ablaufen.

Die Auslösung der Airbags erfolgt nur, wenn gleichzeitig der Sicherheitsschalter und mindestens ein Beschleunigungsaufnehmer ansprechen. Der Beschleunigungsaufnehmer ist ein elektronischer Sensor, der die Fahrzeugverzögerung misst und zur Auswertung an einen Mikroprozessor leitet.

(2.) Gasgenerator

Um den Airbag zu befüllen, wird nach dem Auslösebefehl des Steuergerätes eine Zündtablette gezündet, die in der Regel eine geringe Menge des Festtreibstoffes „Natriumazid“ (NaN3) enthält (sehr giftig!). Durch den schlagartigen Abbrand des Festtreibstoffes entstehen Verbrennungsgase, die zum Aufblasen des bis dahin gefalteten Airbags genutzt werden. Nach Herstellerangaben bestehen die Füllgase zu 98% aus Stickstoff.

(3.) Luftsack (Airbag).

Der aus einem beschichteten Polyamidgewebe, speziellen Nylonfasern, Nomex oder ähnlichem Material bestehende gefaltete Luftsack ist fest mit dem Gasgenerator verbunden. Durch die Verbrennungsgase füllt sich der Luftsack. Dieser zerreißt die Abdeckung an den Sollbruchstellen und bläst sich über dem Lenkrad, der Armaturentafel oder der inneren Fahrzeugseite auf. Unmittelbar nach dem Anprall der Passagiere entleert sich der Airbag über Ventilationsöffnungen (definierter Druckabbau).

um Schutz des Airbag-Materiales ist der Luftsack mit Talkum oder ähnlichem Material beschichtet, was bei Entfaltung des Airbag zu einer Pulverwolke führt. Dies kann Reizungen der Haut oder der Schleimhaut auslösen. Durch Reibung an der recht rauen Außenhaut des Airbag sind zudem bei Unfallopfern schon leichte Verbrennungen (Rötungen) der Gesichtshaut diagnostiziert worden.

Gemessen an den Verletzungen, die der Airbag verhindert, kein zu großer Preis!

 

Funktionsprinzip:

Damit der Airbag im Augenblick des Unfalles seine volle Schutzwirkung entfalten kann, muß das Auslösen im Bereich von Millisekunden geschehen!

Diese Folie zeigt am Beispiel eines Frontalcrashs mit einer Geschwindigkeit von 56 km/h die zeitliche Abfolge der Auslösung von Fahrer und Beifahrer-Airbag.

000ms:

Aufprall eines Fahrzeuges, Beginn der Auslösung

025ms:

Der elektronische Sensor aktiviert den Sprengsatz (Zündpille) des Fahrerairbag-Moduls.

030ms:

Die Abdeckung des Lenkrallpralltopfes ist aufgerissen und der Airbag wird aufgeblasen.

035ms:

Der Sprengsatz auf der Beifahrerseite wird gezündet.

055ms:

Der Fahrerairbag ist vollständig aufgeblasen und der Fahrer taucht ein.

065ms:

Der Beifahrerairbag ist vollständig entfaltet und der Beifahrer stürzt ebenfalls in den Airbag.

085ms:

Der Fahrer ist maximal in den Airbag eingetaucht und wird vom Sicherheitsgurt wieder zurückgerissen.

100ms:

Der Beifahrer taucht maximal ein und bewegt sich dann ebenfalls wieder zurück.

150ms:

Das Unfallgeschehen ist abgeschlossen. die Insassen befinden sich in ihrer Ausgangsposition und beide Airbags sind weitgehend wieder entleert.

Das Zünden des Beifahrer-Airbag geschieht deshalb „etwas später“ weil der Beifahrer i. d. R. weiter von der Armaturentafel wegsitzt, als der Fahrer vom Lenkrad. Daher ist der Beifahrer-Airbag auch größer dimensioniert, als der Fahrerairbag.

Dieser ganze zeitliche Ablauf ist beim Auslösen des Seitenairbags nochmals schneller, weil noch viel weniger Zeit bleibt, bei Eindringen eines Hindernisses den Airbag zu zünden, wenn er seinen Zweck erfüllen soll.

Mögliche Gefährdungen der Einsatzkräfte:

AIRBAG hat ausgelöst:

Der Gasgenerator ist durch die Auslösung auf bis zu 700 Grad Celsius erhitzt. Noch 30 Minuten nach der Auslösung kann das Berühren dieses Bauteiles zu Verbrennungen führen.

Bei der Verbrennung des Festtreibstoffes entstehen u. a. Stickstoffverbindungen wie Nitrose Gase, welche bei Einatmung schädigend wirken können. Unter anderem deshalb sollte der Rettungsdienst über die Airbag-Auslösung informiert werden, damit der aufnehmende Arzt bei der Patientenübergabe in der Klinik ggf. weitere Maßnahmen einleiten kann.

AIRBAG hat nicht ausgelöst:

Ist das Fahrzeug mit Airbag-Systemen ausgestattet und während des Unfalles wurden einzelne oder alle Airbags nicht ausgelöst, so bestehen für die im Fahrzeug eingeklemmten Personen und das Rettungspersonal (Feuerwehr, Rettungsdienst, Notarzt) bei nachträglicher Airbag-Auslösung Gefahren durch

  • die Oberflächenpressung durch den Airbag
  • den entstehenden Schalldruck
  • die Verbrennungsgase.

Im Ruhezustand liegt der Airbag zusammengefaltet unter seiner Abdeckung. Bei einer nachträglichen Auslösung kommt es zu einem schlagartigen Aufblasen in Millisekunden. Dabei werden enorme Stoß- und Preßkräfte frei, denen wir nichts entgegensetzen können. Rettungskräfte, die sich in diesem Augenblick im Wirkungsbereich des Airbag befinden, werden gegen Fahrzeugteile oder den Verletzten geschleudert. Die Folge wären Verletzungen bei den Rettungskräften und eine Verschlimmerung der Verletzungen des Unfallopfers. Genau das wollten wir aber mit unserem Einsatz verhindern.

Das Zünden der Sprengladung geht mit einem Knall im Lärmbereich von ca. 170 bis 180 dB A einher. Lärmbelastungen um die 100 dB A ziehen bereits gesundheitliche Schäden nach sich. Wird der Airbag im Augenblick des Unfalles ausgelöst, geht dieser kurze Knall im Lärm des Unfalles unter und wird von den Fahrzeuginsassen nicht wahrgenommen. Beim nachträglichen Auslösen in der „relativen Ruhe“ des Rettungs- oder Bergungseinsatzes sind dagegen eine Hörschwellenverschiebung bis hin zu dauerhaften Schädigungen des Gehörs möglich.

Verhaltenshinweise:

  • Bei Eintreffen der Einsatzkräfte immer davon ausgehen, dass ein Airbag in dem verunfallten Fahrzeug eingebaut ist!
  • Zündung ausschalten, und beide Batteriekabel abklemmen oder abtrennen!

Beachte:

  • Immer erst Minuspol abklemmen und anschl. den Pluspol! Airbag- Systeme können noch mit Strom versorgt sein! (Auch nach dem Abklemmen der Stromversorgung!! Kondensatoren können über einen Langen Zeitraum Energie speichern)
  • Keine Manipulation am/im Airbag oder der Steuereinheit durchführen!
  • Niemals mit dem Oberkörper in den Wirkungsbereich des Airbag aufhalten!
  • Nur die notwendigen Trupps, und nur unter größtmöglicher Vorsicht in dem Wirkungsbereich arbeiten lassen!
  • Ziehen der Lenksäule mit hydraulischen Spreizgerät vermeiden!
  • Patientengerechten Zugang schaffen!
  • Verbrennungen bei bereits aktiviertem Airbag vermeiden, der Gasgenerator kann ca. 700°C heiß sein!
  • ggf. Airbag mit dementsprechenden Vorrichtungen gegen auslösen schützen!
  • Keine Werkzeuge im Wirkungsbereichen der Airbags ablegen!
  • Bei Seitenairbags: In den Vordertüren: Türen möglichst öffnen oder entfernen! In den Rückenlehnen: Rückenlehnen keinesfalls abtrennen, nur umlegen!
  • Bei Kopfairbags: B-Säule möglichst nicht durchtrennen, wenn dann nahe am Dach!
  • Hitzeeinwirkung unbedingt vermeiden!

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